Gemeinsam mit seinen Partnern wurde FAIRTIQ für den Transport Ticketing Global Award in der neuen Kategorie „Cross-Border Ticketing“ nominiert. Für FAIRTIQ ist diese Nominierung mehr als eine Auszeichnung. Sie steht für eine gemeinsame Leistung und zeigt, dass nahtloses grenzüberschreitendes Reisen längst nicht mehr nur dem Fernverkehr vorbehalten ist.
Damit wird es zunehmend auch zur betrieblichen Realität im lokalen und regionalen öffentlichen Verkehr.
Der öffentliche Personennahverkehr verbindet Regionen und stärkt Volkswirtschaften. Tarifsysteme enden jedoch häufig an nationalen Grenzen.
Selbst in hochdigitalisierten Märkten können grenzüberschreitende Reisen mehrere Apps, separate Konten sowie wiederholte Check-ins und Check-outs erfordern. Für Fahrgäste entsteht dadurch zusätzlicher Aufwand. Für Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger bedeutet es strukturelle Komplexität. Einnahmenaufteilung, Governance und Systemintegration lassen sich nur schwer aufeinander abstimmen.
Die Region Euregio Maas-Rhein veranschaulicht diese Herausforderung besonders deutlich. Hier überschreiten viele Fahrten regelmäßig drei nationale Grenzen. Gemeinsame Ticketangebote haben den Zugang in der Vergangenheit zwar verbessert, jedoch weder vollständige Interoperabilität noch ein wirklich nahtloses Alltagserlebnis geschaffen. Während die Digitalisierung die Erwartungen steigen ließ, blieb die Komplexität bestehen.
Die zentrale Frage lag damit auf der Hand: Wie lassen sich nahtlose grenzüberschreitende Reisen ermöglichen, ohne bestehende nationale Systeme und Tarife aufzulösen?
Viele grenzüberschreitende Ticketing-Initiativen führen neue bilaterale Produkte ein oder erfordern zusätzliche physische Infrastruktur. Andere versuchen, ein nationales System auf ein weiteres Land auszuweiten. Solche Ansätze können den operativen Aufwand erhöhen und Governance-Strukturen zusätzlich verkomplizieren.
Mobile pay-as-you-go-Ticketing (MPAYG) eröffnet einen anderen Weg.
Das ACCEPT Institute hat gemeinsam mit einem starken Konsortium aus Verkehrsunternehmen und Aufgabenträgern eine internationale Routing-Schicht eingeführt, die bestehende nationale Tarifsysteme durchgängig technisch miteinander verbindet. Die etablierten Hintergrundsysteme für das Ticketing bleiben dabei unverändert bestehen. Es entsteht kein neues übergeordnetes Ticketprodukt und es ist keine zusätzliche Hardware erforderlich. Das reduziert die Implementierungs- und Betriebskosten deutlich und verkürzt die Markteinführungszeit. Verkehrsunternehmen können so nahtlose grenzüberschreitende Reisen ermöglichen, ohne groß angelegte Infrastrukturinvestitionen.
Für Fahrgäste bleibt die Nutzung einfach: eine einzige App genügt. Die Reise wird mit einem Swipe gestartet und beendet, ohne dass Tickets im Voraus gekauft werden müssen. Am Ende erfolgt eine einzige nachgelagerte Abrechnung für die gesamte grenzüberschreitende Fahrt. Im Hintergrund berechnet jedes nationale Tarifsystem seinen Anteil nach den jeweils eigenen geltenden Regeln. Diese Ergebnisse werden anschließend zu einem transparenten Gesamtpreis für die Fahrgäste zusammengeführt und in der Reisehistorie angezeigt.
Das Prinzip ist einfach: Die nationale Tarifhoheit für Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger bleibt erhalten, während Fahrgäste internationale Einfachheit erleben.
Der Router von ACCEPT steht auch weiteren Partnern offen. Roel Testroote, Geschäftsführer von ACCEPT, erklärt:
Dieser Ansatz ist seit Oktober 2024 im Bahnkorridor Köln – Aachen – Maastricht im Einsatz und verbindet Deutschland mit den Niederlanden.
Fahrgäste nutzen die Angebote von Arriva, DB Regio und National Express mit einem einzigen Swipe. Reisende verwenden ihre vertraute App, um sich über Grenzen hinweg und innerhalb der Nachbarländer zu bewegen. Heute erzeugen mehr als 25.000 Nutzende jährlich über 150.000 grenzüberschreitende Fahrten auf diesem Korridor.
„Die Zusammenarbeit in einer Grenzregion zahlt sich aus: Durch die Verknüpfung nationaler Systeme bauen wir Barrieren im öffentlichen Verkehr ab und machen nahtloses Reisen für Fahrgäste einfacher denn je.”
Leiter grenzüberschreitender ÖPNV beim Aachener Verkehrsverbund
Über die technische Integration hinaus zeigt der Einsatz, dass multinationale Abstimmung möglich ist. Aufgabenträger, Verkehrsunternehmen und Technologiepartner haben innerhalb bestehender Governance- und Einnahmenstrukturen zusammengearbeitet. Das Ergebnis ist ein vollständig operatives grenzüberschreitendes mobile pay-as-you-go-Angebot.
„Wir sind stolz darauf, dies gemeinsam erreicht zu haben und Reisenden ein nahtloses Erlebnis zu bieten. Besonders in Grenzregionen, in denen unterschiedliche Systeme und Tarifstrukturen aufeinandertreffen.“
Chellie Soons, Regionalleiterin Arriva Limburg
Dieses Projekt ist kein Pilot mehr. Es ist ein Bauplan für die weitere Skalierung.
Zwar ermöglicht der Ansatz bereits nahtlose grenzüberschreitende Reisen im öffentlichen Personennahverkehr. Doch seine Bedeutung geht darüber hinaus. Derselbe Ansatz kann auch nicht integrierte Tarifsysteme innerhalb eines Landes oder zwischen verschiedenen Regionen miteinander verbinden. Überall dort, wo Tarifsysteme aufeinandertreffen, kann eine überregionale Routing-Schicht integriertes Reisen von A nach B mit einem einzigen Swipe ermöglichen, ohne bestehende Systeme und Tarifgrenzen zu ersetzen.
Die Nominierung für die Transport Ticketing Global Awards würdigt diese gemeinsame Leistung von ACCEPT Institute, Arriva, Aachener Verkehrsverbund (AVV), DB Regio, go.Rheinland, National Express, SNCB|NMBS, Translink und FAIRTIQ, die gemeinsam neu denken, wie grenzüberschreitendes Ticketing aussehen kann.
Eine Reise. Zwei Länder. Eine einfache mobile pay-as-you-go-Erfahrung.