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Drei Lehren aus Dänemarks Wandel hin zu Mobile-First-Ticketing (und ein Bonus)

Geschrieben von FAIRTIQ | 24. Februar 2026

Drei Lehren aus Dänemarks Wandel hin zu Mobile-First-Ticketing (und ein Bonus)

Die Reform nationaler Ticketingsysteme ist in der Regel langsam, stark fragmentiert und wenig flexibel. Dänemark hat gezeigt, dass es auch anders geht.

Innerhalb von 18 Monaten nach dem Start entfielen mehr als 60 % aller Fahrten im öffentlichen Verkehr in Dänemark auf die Rejsekort-App. Damit wurde eine landesweite Mehrheitsnutzung in weniger als zwei Jahren erreicht.

Dieser Wandel war kein Zufall. Er war das Ergebnis bewusster, pragmatischer Entscheidungen, aus denen Verkehrsbehörden und Betreiber klare Lehren ziehen können.

Lehre 1: Vereinfachung schafft Geschwindigkeit

Eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen war es, von Anfang an konsequent auf ein Mobile-First-Modell zu setzen. Diese Entscheidung prägte die gesamte Struktur des Programms.

Anstatt Mobile als zusätzliche Ebene auf bestehende Systeme aufzusetzen, priorisierte Dänemark ein Mobile Pay-As-You-Go (MPAYG)-Modell als primäre Ticketing-Lösung. Eine ergänzende Tap-in-/Tap-out-Lösung stellte die Inklusion sicher und bot eine klare Alternative für Kundinnen und Kunden ohne Smartphone. Dieser Ansatz reduzierte technische Abhängigkeiten und operative Komplexität von Beginn an.

Das Ergebnis war Geschwindigkeit: weniger als sechs Monate vom Vertragsabschluss bis zum MVP-Launch und weniger als ein Jahr bis zum öffentlichen Rollout.

Lehre 2: Klare Verantwortlichkeiten schaffen Dynamik

Nationale Programme scheitern selten an Technologie allein. Sie geraten ins Stocken, wenn Zuständigkeiten unklar sind und Risiken vermieden statt aktiv gemanagt werden.

In Dänemark ist Rejsekort & Rejseplan A/S (RKRP) im Besitz aller dänischen Verkehrsunternehmen und hat das Mandat, das Ticketing landesweit zu zentralisieren. Diese klare institutionelle Struktur schuf die Grundlage für abgestimmte Entscheidungen.

Klare Verantwortlichkeiten, Transparenz bei Zielkonflikten und strukturiertes Risikomanagement ermöglichten entschlossenes Handeln. Statt auf theoretische Perfektion zu warten, setzte das Programm auf kontrollierte reale Einführung. Frühe Testphasen boten Raum für Lernen, Iteration und Verbesserung vor dem landesweiten Rollout.

Disziplin in der Governance ermöglichte schnellere Entscheidungen, frühere Einführung und kontinuierliche Weiterentwicklung.

Lehre 3: Frühe Nutzerbeteiligung schafft Akzeptanz und Vertrauen

Frühes Nutzerfeedback stärkte das Programm und beschleunigte seine Weiterentwicklung. Rückmeldungen aus realen Beta-Phasen ermöglichten es, Verbesserungen konsequent am tatsächlichen Nutzungsverhalten auszurichten statt an Annahmen.

Rückblickend hätte eine noch frühere Einbindung der Kundinnen und Kunden in strukturierte Tests und Feedbackprozesse Unsicherheiten schneller reduziert und Vertrauen gestärkt.

Mobile-First bedeutet nicht Mobile-Only. Auf nationaler Ebene hängt Akzeptanz nicht nur von Benutzerfreundlichkeit ab, sondern ebenso von Vertrauen, das durch frühzeitige Einbindung und konsequent mitgedachte Inklusion entsteht. Eine frühere und klarere Kommunikation der Alternative für Menschen ohne Smartphone hätte zusätzliche Vorbehalte abgebaut.

Bonus: Ticketing wird zur Datenbasis

Der Wandel zu Mobile-First modernisierte nicht nur die Bezahlung. Er stärkte die analytische Grundlage des Systems.

Aggregierte Mobilitätsdaten helfen dabei, Nachfrage zu prognostizieren, Kapazitäten zu planen, Netze zu optimieren sowie Umsteigeverhalten und Aspekte der Servicezuverlässigkeit systematisch auszuwerten. Für Behörden und Betreiber entsteht dadurch eine belastbare Grundlage für Infrastruktur- und Serviceentscheidungen im Einklang mit den geltenden Datenschutzanforderungen.

Moderne Ticketingsysteme sind nicht mehr nur transaktional. Sie liefern systemweite Erkenntnisse.

Dänemarks Erfahrung zeigt: Mobile-First-Ticketing auf nationaler Ebene ist in erster Linie kein Technologieprojekt, sondern das Ergebnis bewusster Entscheidungen zu Vereinfachung, Governance und Kundenintegration.

Zugleich wird deutlich: Kundinnen und Kunden sind bereit für intuitive digitale Mobilität, wenn das Angebot einfach und transparent ist. Und Mobile-First ist auch im landesweiten Maßstab realistisch umsetzbar.