FAIRTIQ-Blog

Warum das größte Wachstumspotenzial im ÖPNV bei Gelegenheitsnutzenden liegt

Geschrieben von Martina Windlin | Marketing | 24. Juni 2026

Das Deutschlandticket hat etwas geschafft, woran der öffentliche Personennahverkehr lange gearbeitet hat: Es hat Komplexität reduziert. Ein Ticket statt Tarifdschungel und ein Preis statt regionaler Unterschiede. Millionen Menschen nutzen das Angebot inzwischen regelmäßig. Das ist ein Erfolg für den ÖPNV und gleichzeitig erst der Anfang.

Denn trotz hoher Bekanntheit bleibt ein großes Potenzial ungenutzt. Laut aktueller Deutschlandticket-Evaluation vom Februar 2026 interessieren sich rund 56 Prozent der Menschen derzeit nicht aktiv für das Angebot.

Und in den meisten Regionen Deutschlands liegt die Marktdurchdringung weiterhin unter 20 Prozent, in einigen Gebieten sogar unter 5 Prozent.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, wie bestehende Stammkund:innen gehalten werden können, sondern wie die Nutzung des ÖPNV für Menschen attraktiver wird, die heute nur gelegentlich fahren. Genau dort entscheidet sich die nächste Wachstumschance des öffentlichen Verkehrs.

Das eigentliche Problem ist selten das Angebot

In der ÖPNV-Branche wird oft über Infrastruktur, Angebot und Finanzierung gesprochen. Natürlich sind das zentrale Themen, doch im Alltag scheitert ÖPNV-Nutzung häufig an etwas viel Grundsätzlicherem: dem Zugang.

Viele Menschen nutzen Bus und Bahn nicht deshalb selten, weil das Angebot fehlt, sondern weil der Einstieg kompliziert wirkt. Für viele beginnen die Unsicherheiten bereits bei einfachen Fragen:

  • Welches Ticket brauche ich?
  • Lohnt sich ein Abo überhaupt?
  • Welche Tarifzone gilt?
  • Und was passiert, wenn sich mein Alltag nächste Woche wieder verändert?

Gerade Gelegenheitsnutzende möchten Mobilität nicht erst studieren müssen. Sie möchten einfach fahren. Das Auto gewinnt deshalb nicht immer wegen Geschwindigkeit oder Komfort. Oft gewinnt es, weil Entscheidungen entfallen.

Der Wettbewerb findet heute nicht mehr nur über das Angebot statt, sondern zunehmend über die Nutzungserfahrung.

Mobilität hat sich verändert – Tarifmodelle oft noch nicht

Die klassische ÖPNV-Logik basiert auf einer Realität, die für viele Menschen nicht mehr selbstverständlich ist: tägliches Pendeln, feste Routinen und langfristige Abonnements. Doch Mobilität ist flexibler geworden.

Homeoffice, hybride Arbeitsmodelle und spontane Wege prägen heute den Alltag vieler Menschen. Nicht jede Person fährt fünf Tage pro Woche dieselbe Strecke und nicht jede Person möchte sich langfristig binden. Trotzdem möchten Menschen jederzeit unkompliziert mobil sein. 

Genau hier entsteht im heutigen Tarifsystem eine Lücke – zwischen Einzelfahrschein und Flatrate. Und genau dort liegt das größte Wachstumspotenzial.

Gelegenheitsnutzende werden oft unterschätzt

Im öffentlichen Diskurs liegt der Fokus häufig auf Stammkund:innen. Strategisch besonders spannend sind jedoch die Menschen, die den ÖPNV heute nur situativ nutzen.

Denn sie machen einen großen Teil der potenziellen Nachfrage aus.

Die Umfrageresultate von neuen FAIRTIQ-Nutzenden in Deutschland zeigen ein klares Bild: 44,1 % der FAIRTIQ-Nutzenden hatten den ÖPNV zuvor fast nie genutzt. Weitere 18,6 % nutzten ihn lediglich einmal pro Monat. Gleichzeitig besitzen viele weiterhin ein Auto.

Gerade für Verkehrsunternehmen und Verbünde ist dies eine wichtige Erkenntnis.

Denn diese Nutzenden wechseln nicht einfach von einem bestehenden Kanal in einen anderen. Sie repräsentieren zusätzliche Nachfrage. Menschen, die zuvor oft gar nicht erreicht wurden. 

Warum mobile pay-as-you-go besser zur Realität vieler Menschen passt

Nicht jede Person braucht ein Abo. Aber jede Person braucht einfachen Zugang zum ÖPNV.

Deshalb gewinnen flexible Modelle zunehmend an Bedeutung. Mobile pay-as-you-go ermöglicht spontane Nutzung ohne Tarifwissen, ohne Vorabentscheidung und ohne langfristige Bindung. Menschen fahren einfach los und das System berechnet automatisch den passenden Preis.

Das verändert die Wahrnehmung des ÖPNV fundamental. Denn sobald Ticketing im Hintergrund verschwindet, wird Mobilität einfacher, spontaner und zugänglicher.

Besonders relevant wird dieser Ansatz in Kombination mit Preisdeckeln. Denn warum sollten Fahrgäste zwischen Einzelfahrschein und Abo wählen müssen, wenn das System automatisch den besten Preis berechnen kann? Genau darin liegt die Stärke moderner Ticketing-Modelle: Sie verbinden Flexibilität für Nutzende mit Transparenz und Planbarkeit für Verkehrsunternehmen.

eezy.nrw zeigt, wie Ergänzung statt Konkurrenz funktioniert

Die Diskussion rund um digitale Ticketing-Modelle wird oft als Entweder-oder geführt. Dabei zeigt die Praxis längst, dass unterschiedliche Modelle unterschiedliche Bedürfnisse bedienen. Das eezy.nrw-Tarifmodell in Nordrhein-Westfalen ist dafür ein gutes Beispiel. Die Lösung ergänzt bestehende Angebote und stellt sicher, dass Fahrgäste mit dem Preisdeckel nicht mehr zwischen Einzelfahrschein und Abo entscheiden müssen.

So funktioniert eezy.nrw

Mit eezy.nrw nutzen Fahrgäste den ÖPNV in ganz Nordrhein-Westfalen mit nur einem Swipe in der FAIRTIQ-App, ohne sich vorab mit Tarifzonen oder der Ticketwahl beschäftigen zu müssen. Der Fahrpreis wird automatisch anhand der Luftlinie zwischen Start und Ziel berechnet: aus einem festen Grundpreis plus einem Preis pro Kilometer. Gleichzeitig gilt immer der Preis eines vergleichbaren Einzeltickets als Obergrenze.

Zusätzliche Preisdeckel sorgen dafür, dass die Kosten jederzeit transparent und kontrollierbar bleiben: Ein Tages-Cap begrenzt die Ausgaben innerhalb von 24 Stunden, der Monatsdeckel liegt bei maximal 63 Euro.

So müssen sich Fahrgäste nicht mehr zwischen Einzelfahrschein und Abo entscheiden. Das System übernimmt diese Entscheidung automatisch und berechnet immer den günstigsten verfügbaren Preis.

 

Genau das macht den Unterschied. Denn das Ziel sollte nicht sein, bestehende Abonnements zu ersetzen, sondern Menschen zu erreichen, für die klassische Modelle heute schlicht nicht passend sind.

Das Deutschlandticket hat den ÖPNV für Vielfahrende einfacher gemacht. Mobile pay-as-you-go kann helfen, ihn noch zugänglicher zu machen und weitere Kundengruppen zu erschließen.

Einfachheit entscheidet über Wachstum

Der ÖPNV hat heute ein enormes Potenzial. Nicht nur in Metropolen, sondern überall dort, wo Menschen eigentlich bereit wären, häufiger Bus und Bahn zu nutzen, wenn der Zugang einfacher wäre. Die Herausforderung besteht deshalb nicht allein darin, neue Tickets anzubieten, sondern die Nutzung intuitiver zu machen.

Denn Mobilität konkurriert heute nicht nur über Preis oder Angebot. Sondern über Einfachheit.