Bern, 23. September 2026 – Verkehrspolitische Entscheidungsträger in ganz Europa, die an den Erfolg des Londoner Ticketings anknüpfen möchten, sollten auf Mobile Pay-as-you-go (MPAYG) setzen, anstatt in veraltete kontaktlose Bezahlsysteme zu investieren. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht des ÖV-Experten Thomas Ableman.
«London-Style Ticketing» steht in der Branche für einfaches, nahtloses Reisen über verschiedene Verkehrsmittel hinweg. Doch Ableman, ehemaliger Director of Strategy and Innovation bei Transport for London, macht auf einen entscheidenden Unterschied aufmerksam: den Unterschied zwischen dem Angebot für die Fahrgäste und dem Medium, über das es bereitgestellt wird.
Während Verkehrsbehörden in ganz Europa ihre Ticketingsysteme modernisieren, warnt der Bericht davor, das kontaktlose Bezahlsystem Londons einfach zu kopieren. Dies wäre nicht nur teuer und zeitaufwendig, sondern auch eine verpasste Chance.
Auf Grundlage einer Analyse europäischer Best Practices, unter anderem in Dänemark und der Schweiz, zeigt Stop Talking about London-Style, dass MPAYG flexibler, schneller einzuführen und deutlich kostengünstiger ist. Einer Schätzung zufolge würden MPAYG-Systeme weniger als 5 % der Kosten eines vergleichbaren kontaktlosen Ticketingsystems verursachen.
Der Bericht basiert auf Interviews mit Ticketing-Fachleuten aus ganz Europa und kommt zu dem Schluss, dass MPAYG praktisch alle Vorteile bietet, die kontaktloses Ticketing bei Fahrgästen so beliebt machen. Soll dabei ein Medium zum Einsatz kommen, das die Menschen ohnehin bei sich tragen, ist das Smartphone heute die naheliegendere Wahl. In vielen Ländern, darunter Grossbritannien, besitzen mehr Menschen ein Smartphone als eine kontaktlose Bankkarte.
Thomas Ableman sagt: «Als das kontaktlose System in London eingeführt wurde, war es eine Sensation – und zu Recht eine der bedeutendsten Innovationen im öffentlichen Verkehr des 21. Jahrhunderts. Doch seit 2012 hat sich viel verändert. Heute können Fahrgäste ein Gerät nutzen, das sie ohnehin bei sich tragen. Das macht die Nutzung einfacher und spart gleichzeitig viele Millionen Pfund für Lesegeräte an Haltestellen und Bahnhöfen sowie Fahrkartenautomaten. Die Politik sollte den Fahrgästen die Technologie von heute bieten, nicht die der vorherigen Generation.
Verkehrsbehörden verwalten öffentliche Gelder. Sie sollten diese nicht für siebenstellige Summen in Erdarbeiten und Verkabelung investieren, wenn für ihre Fahrgäste eine bessere Lösung verfügbar ist.»
Paula Ruoff, Core Markets Lead bei FAIRTIQ, dem Schweizer Ticketing-Technologieunternehmen, das den unabhängig verfassten Bericht in Auftrag gegeben hat, sagt: «Unsere Mobile-Pay-as-you-go-Technologie hat bereits fast 450 Millionen multimodale Fahrten in Europa ermöglicht. Wir sind in zwölf Ländern aktiv, unter anderem mit landesweiten Ticketinglösungen in Dänemark, Österreich und der Schweiz.. Wir arbeiten mit mehr als 100 Verkehrsbehörden und -unternehmen zusammen und sind bereit, weitere Partner dabei zu unterstützen, ihren Fahrgästen das einfache und nahtlose multimodale Ticketing anzubieten, das sie erwarten dürfen.»
Um die Einführung moderner Ticketingsysteme zu unterstützen, enthält der Bericht mehr als ein Dutzend konkrete Handlungsempfehlungen für nationale und regionale Regierungen, nationale Eisenbahnunternehmen, weitere Verkehrsunternehmen sowie regionale Verkehrsbehörden. Gemeinsam könnten diese Massnahmen den Fahrgästen einen besseren Service bieten und gleichzeitig die Kosten für den Verkehrssektor und die öffentliche Hand senken – ohne neue gesetzliche Regelungen oder umfangreiche nationale Investitionsprogramme.
Der vollständige Bericht Stop Talking about London-Style: Why Digital PAYG is now the Future of Ticketing kann hier heruntergeladen werden.
Hinweise für Redaktionen
Stop Talking About London-Style wurde von FAIRTIQ in Auftrag gegeben, jedoch unter der vollständigen redaktionellen Verantwortung von Thomas Ableman verfasst. Die darin vertretenen Argumente und Einschätzungen stammen ausschliesslich von ihm.
Empfehlungen des Berichts
Unabhängig von der eingesetzten Technologie sollten alle modernen Ticketingsysteme in Europa:
Für ein konsequent digital ausgerichtetes Ticketing formuliert der Bericht zudem Empfehlungen an Regierungen und den Verkehrssektor in Grossbritannien und ganz Europa:
Über Thomas Ableman
Thomas Ableman ist Gründer von Freewheeling, wo er die Führungsteams von Verkehrsbehörden und Betreibern in Stadt- und Regionalverbünden bei der Entwicklung integrierter Verkehrs- und Organisationsstrategien unterstützt. Zuvor war er Director of Strategy & Innovation bei Transport for London, der weltweit grössten integrierten Verkehrsbehörde. Bei Chiltern Railways verantwortete er die Entwicklung der ersten britischen Ticketing-App mit Barcode-Technologie. Bei der britischen Rail Delivery Group leitete er anschliessend die landesweite Einführung von Barcode-Ticketing.
Über FAIRTIQ
Mit über 400 Millionen Fahrten hat sich FAIRTIQ als weltweit führender Anbieter und Pionier für Postpaid-Ticketing und Mobile-Pay-as-you-go-Lösungen (MPAYG) etabliert. Die Plattform zählt mehr als eine Million monatlich aktive Nutzende und ist derzeit in zwölf Ländern verfügbar: Schweiz, Deutschland, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich, Tschechien, Liechtenstein, Slowakei und Grossbritannien. In 27 Regionen erleichtert die App den Zugang zum öffentlichen Verkehr und dessen Nutzung. In drei Ländern ist FAIRTIQ landesweit verfügbar. Führende Verkehrsunternehmen und -behörden setzen auf die Lösungen von FAIRTIQ, während das Unternehmen seine internationale Präsenz und seine globale Nutzerbasis weiter ausbaut.
In Grossbritannien gehört FAIRTIQ zu den offiziellen Technologieanbietern für den Digital-PAYG-Pilotversuch im Schienenverkehr des britischen Department for Transport. Gemeinsam mit Northern Trains stellt FAIRTIQ die Technologie auf der Strecke Sheffield–Rotherham–Doncaster bereit. Ein Video zeigt hier, wie die Technologie im britischen Schienenverkehr funktioniert.