25 Februar 2026

14 Millionen Menschen. Eine Lösung. Was andere Bundesländer jetzt lernen können

14 Millionen Menschen. Eine Lösung. Was andere Bundesländer jetzt lernen können

Vor einem Jahr ist die FAIRTIQ-App im gesamten Bundesland Baden-Württemberg live gegangen. Ermöglicht wurde der Start durch das Lizenzmodell Check-in-Check-out Baden-Württemberg (CiCoBW) der baden-württembergischen Landesregierung. Was zuvor in vier Tarifregionen verfügbar war, wurde zur flächendeckenden Lösung für über 14 Mio. Einwohner:innen. Heute reisen Nutzende mit der FAIRTIQ-App nahtlos über Verbundgrenzen hinweg und durch das gesamte Bundesland.

Ein Jahr später lohnt sich ein Blick auf die Zahlen. Und eine strategische Frage an die Branche.

 

Skalierung ist eine Strukturentscheidung

Rund 1,2 Millionen Fahrten im ersten Jahr und bis zu 145.000 pro Monat in Spitzenzeiten zeigen: Mobile pay-as-you-go (MPAYG) funktioniert nicht nur im Pilot, sondern im Flächenbetrieb. Entscheidend ist dabei nicht allein die Technologie, sondern vor allem das zugrunde liegende Governance-Modell.

Mit der landesweiten Check-in/Check-out Technologie (CiCo) wurde ein Rahmen geschaffen, der Verbundgrenzen überwindet, ohne sie organisatorisch aufzulösen. Genau hier liegt der strategische Unterschied. Digitalisierung wurde nicht als Zusatzangebot verstanden, sondern als Infrastrukturentscheidung für das gesamte Bundesland.

Verkehrsminister Winfried Hermann betonte bereits zum Start von CiCoBW die Bedeutung einer einfachen, landesweiten Lösung für die Digitalisierung des Öffentlichen Personennahverkehrs. Die Botschaft war klar: Ticketing darf kein Hemmnis für die Nutzung des ÖPNV sein.

„CiCoBW ist ein komfortables Angebot für Gelegenheitsnutzerinnen und -nutzer, um mit dem klimaschonenden ÖPNV zu fahren. So erleichtern wir den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn. Mit FAIRTIQ gewinnt das vom Land auf den Weg gebrachte System einen wichtigen und erfahrenen Partner. 1,4 Menschen in zwölf Ländern nutzen die FAIRTIQ-Technologie bereits. Das sind gute Nachrichten für die Fahrgäste Baden-Württembergs.“

Winfried Hermann
Landesverkehrsminister

 

Nutzende denken nicht in Verbundlogiken

Ein besonders spannender Wert: Rund 85’000 Fahrten wurden innerhalb eines Jahres in Baden-Württemberg gemeinsam mit einer mitreisenden Person durchgeführt. Die Mitnahmefunktion zeigt, dass digitale Ticketlösungen gemeinschaftliche Mobilität erleichtern. Wer gemeinsam unterwegs ist, möchte keine Tarifregeln erklären, sondern einfach fahren.

Auch operativ bestätigen unsere Partner den Mehrwert:

Porträt Prof. Dr. Alexander PischonSo betont Prof. Dr. Alexander Pischon, Vorsitzender der Geschäftsführung des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV), dass eine landesweit einheitliche Lösung die Komplexität im Hintergrund reduziert und gleichzeitig den Zugang für Fahrgäste vereinfacht.

user_Simone Stahl, Geschäftsführerin des Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) hebt hervor, dass insbesondere Gelegenheitsfahrende von der intuitiven Nutzung profitieren.

Frank BärnighausenFrank Bärnighausen, Geschäftsführer beim Regio Verkehrsverbund Lörrach (RVL) unterstreicht, dass die Akzeptanz dort steigt, wo Tariftransparenz und einfache Anwendung zusammenkommen.

Die Erkenntnis daraus ist eindeutig: Kund:innen denken in Wegen, nicht in Zuständigkeiten.

 

Landesweite Ambition statt regionaler Insellösungen

Mit dem einjährigen Jubiläum startet FAIRTIQ in Baden-Württemberg zudem ein landesweites Member Get Member-Programm. Das Empfehlungsprogramm auf Bundeslandebene ist für FAIRTIQ ein Novum. Seit dem 5. Februar können Nutzende in Baden-Württemberg die FAIRTIQ-App weiterempfehlen und dafür belohnt werden.

Warum ist das relevant? Weil Netzwerkeffekte auf großer Fläche besonders gut funktionieren. Jede Empfehlung zahlt auf dasselbe landesweite System ein, nicht auf einzelne Verbundräume. Dadurch erhöht sich die Reichweite pro geworbener Person und Streuverluste in Kommunikation und Marketing werden reduziert. Gleichzeitig entsteht eine einheitliche Nutzererfahrung im gesamten Bundesland, was Vertrauen schafft und die Eintrittshürde für Gelegenheitsfahrende deutlich senkt.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob Mobile pay-as-you-go skalierbar ist, denn Baden-Württemberg hat gezeigt, dass es möglich ist. Die Frage lautet vielmehr:

Welche Bundesländer haben den Mut, Ticketing neu zu denken? Über Verbundgrenzen hinweg?

 

Digitale Vereinfachung ist keine Komfortfunktion, sondern smarte Daseinsvorsorge

Wenn 14 Mio. Menschen mit einem Swipe durch ein ganzes Bundesland reisen können, zeigt das: Landesweite Integration im Ticketing ist realisierbar – organisatorisch, technisch und partnerschaftlich.

Lassen Sie uns gemeinsam diskutieren, wie aus regionalen Lösungen echte Landesstrategien werden können.