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27.04.2023

„Partnerschaften sind unabdingbar“

Interview mit John David von Oertzen, Geschäftsführer und CEO von Mobimeo

Foto: Mobimeo GmbH / Max Lautenschläger

Zwei Start-ups, ein gemeinsames Ziel: Nachhaltige Mobilität einfacher machen. Und das jeden Tag, für alle und überall. Aus dieser Vision entstand eine handfeste Kooperation zwischen Mobimeo, dem 2018 gegründeten Tech-Start-up der Deutschen Bahn AG, und FAIRTIQ, dem Schweizer Start-up, das seit 2016 innovative Lösungen für die einfachste Fahrkarte der Welt entwickelt und umsetzt. 

Seit Oktober 2022 ist die Check-in/Check-out Lösung von FAIRTIQ ein Teil der von Mobimeo entwickelten und betriebenen Mobility Stuttgart App. Die App basiert auf der Mobility-as-a-Service-Plattform (MaaS) von Mobimeo. 

Durch die Integration der FAIRTIQ-Technologie können die Fahrgäste das flexible digitale Ticket ganz einfach mit den umfassenden Leistungen der MaaS-Plattform kombinieren: Die App gibt ihnen einen detaillierten Überblick über die schnellsten Verbindungen von Bus und Bahn sowie über mögliche Alternativen mit Sharing-Anbietern. Entscheiden sie sich für das Angebot des öffentlichen Verkehrs, erhalten sie ihren Fahrschein bequem und unkompliziert direkt auf das Smartphone – ohne Vorwissen zu Tarifzonen und Fahrpreisen und stets zum günstigsten Preis. Gleichzeitig wurde in Stuttgart die FAIRTIQ-App gelauncht, mit der sich Busse und Bahnen im VVS wie auch in anderen Regionen nutzen lassen. 

Aus Sicht von FAIRTIQ setzt die Kooperation mit Mobimeo wichtige Impulse in Richtung einer fahrgastfreundlichen, vernetzten Mobilität. Und wie sieht Mobimeo das? Im Interview erläutert John David von Oertzen, Geschäftsführer und CEO von Mobimeo, seine Sicht auf die Zusammenarbeit und auf die Rolle einfacher Tarif- und Fahrscheinlösungen für die urbane Mobilität der Zukunft. 

FAIRTIQ: Mobimeo und FAIRTIQ sind zwei Technologie-Start-ups im Mobilitätsbereich: Wo sehen Sie die Gemeinsamkeiten, wo gibt es Unterschiede?

John David von Oertzen: FAIRTIQ und Mobimeo sind als Technologie-Unternehmen wichtige Partner der Mobilitätsbranche. Mit dem gemeinsamen Interesse an digitalen Innovationen für den Öffentlichen Verkehr (ÖV) verbindet die Unternehmen auch die Überzeugung, dass nachhaltige Mobilität nur mit einem starken ÖV funktionieren kann. Eine weitere wichtige Gemeinsamkeit sehe ich darin, dass sowohl FAIRTIQ als auch Mobimeo ihre digitalen Produkte an den Bedürfnissen der Nutzer:innen ausrichten. Durch einen einfachen digitalen Zugang zu Mobilität und innovative Ticketing-Technologien wird eine positive Nutzungserfahrung (User Experience, UX) möglich. Dabei ergänzen sich die Angebote von FAIRTIQ und Mobimeo sehr gut: Während sich FAIRTIQ auf die Check-In Technologie konzentriert, die in verschiedenen Tarifregionen angewendet werden kann, entwickelt Mobimeo eine Mobility-as-a-Service-Plattform (MaaS), die verschiedene Mobilitätsangebote sowie Technologien, wie die von FAIRTIQ, integriert.

FAIRTIQ: Was gab für Mobimeo den Ausschlag, sich für eine Partnerschaft mit FAIRTIQ zu entscheiden?

John David von Oertzen: Unsere Vision bei Mobimeo ist, die Art und Weise, wie sich Menschen in Städten bewegen, zu verändern. Wir tragen dazu mit einer einfach bedienbaren digitalen Lösung bei. Auf unserer MaaS-Plattform bauen wir White-label-Apps für Verkehrsunternehmen und -verbünde auf, wie zum Beispiel die Mobility Stuttgart App der S-Bahn. Dafür sind Partnerschaften unabdingbar. Die Kooperation mit FAIRTIQ ist eine gute Möglichkeit, den Kauf von Tickets für die Nutzer:innen der Mobility Stuttgart App durch eine innovative Lösung noch einfacher zu machen. Bisher ist der Kauf von Tickets für den ÖV mit verschiedenen Tarifen, Zonen oder Zeitkarten oft verwirrend. Mit dem Check-In-Ticket müssen sich Nutzer:innen keine Gedanken mehr machen, ob sie das richtige Ticket haben. Anhand einer Bestpreis-Logik berechnet das System buchstäblich am Ende des Tages den jeweils günstigsten Preis für die gefahrene Strecke.

FAIRTIQ: Wie lief aus Ihrer Sicht die Zusammenarbeit?

John David von Oertzen: Das Check-In-Ticket in der Mobility Stuttgart App wurde nach dem Launch gemeinsam weiterentwickelt. Ausgangspunkt war eine erste Version mit den grundlegenden Funktionen – eines Minimal Viable Products (MVP) – für Check-in und Check-out im Oktober 2022. Ab dann wurde kontinuierlich weiter an diesem Feature gearbeitet. Im Januar dieses Jahres wurde dann in einem nächsten Schritt das Smart Check-out-Feature für die Nutzer:innen zugänglich gemacht. Sie müssen seitdem nicht mehr selbst in der App die Fahrt durch Auschecken beenden, sondern werden bei aktiviertem Feature automatisch ausgecheckt. Die Zusammenarbeit war  professionell und auf Augenhöhe, wir konnten von der Expertise von FAIRTIQ bei der Check-In/Check-Out-Technologie profitieren und dadurch die UX für die Nutzer:innen der App verbessern.

FAIRTIQ: Wie sind die Reaktionen der Nutzer:innen auf die Check-In/Check-Out-Lösung?

John David von Oertzen: Das Feedback der Nutzer:innen spielt für uns eine grosse Rolle für die Neu- und Weiterentwicklung von Features. Das gilt natürlich auch für das Check-In/Check-Out-Ticket. Wir analysieren nicht nur das Feedback in den Stores, sondern führen auch kontinuierlich Usability Tests und Interviews mit den Nutzer:innen durch. Wir haben zur neuen Ticket Funktion sehr detailliertes und positives Feedback bekommen. Ausserdem haben viele Nutzer:innen Ideen und Vorschläge für Weiterentwicklungen eingebracht. Das zeigt uns, dass das Feature viel verwendet wird und noch mehr Anwendungsmöglichkeiten gesehen werden.

FAIRTIQ: Wie ist Ihre Einschätzung zu den Möglichkeiten multimodaler Tarifangebote, mit denen sich Angebote des ÖV und privater Mobility Service Provider gemeinsam nutzen lassen?

John David von Oertzen: Um eine attraktive Alternative zum privaten Auto zu schaffen, braucht es einfach nutzbare Mobilitätsangebote für jedes Mobilitätsbedürfnis. Dabei spielen für uns auch neue Tarifmodelle eine grosse Rolle. Ein interessanter Ansatz ist zum Beispiel das Mobilitätsbudget, das Arbeitgeber ihren Mitarbeiter:innen anbieten können. Die Idee dahinter ist ein Budget, das jede und jeder nach seinen Vorstellungen für verschiedene Verkehrsmittel wie ÖV, Sharing-Fahrzeuge oder On-demand-Shuttles einsetzen kann. In Verbindung mit dem Deutschland-Ticket sehen wir ganz neue Möglichkeiten, attraktive Kombinationsangebote zu machen.

FAIRTIQ: Zum Abschluss bitten wir Sie um einen Blick in die Zukunft: Wie wird die Tarif- und Vertriebslandschaft in Deutschland in zehn Jahren aussehen und welche Rolle spielt darin Mobimeo?

John David von Oertzen: Um das Ziel der Reduktion von Emissionen, vor allem im Verkehrssektor, zu erreichen, muss in den nächsten zehn Jahren viel passieren. Ich bin optimistisch: Mit dem 9-Euro-Ticket und dem bald gültigen Deutschland-Ticket ist in den letzten Monaten viel in Bewegung geraten. Eine solche fundamentale Veränderung in so kurzer Zeit hat die Branche noch nie erlebt und die Wenigsten haben sie erwartet. Meine Annahme ist, dass Ticket-Innovationen, die in Richtung Flatrate gehen, auch langfristig zu vereinfachten und angepassten Strukturen in der Branche führen werden – ähnlich wie wir es schon im Mobilfunk gesehen haben. In den nächsten zehn Jahren wird es dadurch für Nutzer:innen hoffentlich immer unwichtiger, wie Tarifregionen und -strukturen sowie Fahrpreisberechnungen im Hintergrund funktionieren. Durch die Kooperation mit allen wesentlichen Partnern stellt Mobimeo den Zugang zu urbaner Alltagsmobilität zur Verfügung: Die Apps, die auf der MaaS-Plattform von Mobimeo aufbauen, werden eine einfache Suche, Auswahl und Buchung aller Verkehrsmittel ermöglichen - so wie schon heute mit dem Check-In-Ticket in Stuttgart.

Vielen Dank John David von Oertzen für das Interview!


Über John David von Oertzen
John David von Oertzen ist Geschäftsführer und CEO von Mobimeo. Gemeinsam mit seinem Team verfolgt er eine klare Vision: Mobilität einfacher und Städte grüner zu machen. Die Produkte von Mobimeo sind dafür gemacht, dass jeder sein Verhalten zugunsten geteilter und nachhaltiger Mobilität ändern kann, statt ein eigenes Auto zu nutzen. Aufgrund seiner Erfahrungen als Berater und Gründer ist er Experte für Mobilität und ein Pionier auf dem Gebiet der Mobility-as-a-Service-Lösungen (MaaS).



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