Zuletzt aktualisiert: September 2026
Als Rejsekort & Rejseplan A/S (RKRP) beschloss, das nationale Ticketsystem Dänemarks zu modernisieren, standen zunächst weder eine Karte noch eine App oder eine bestimmte Zahlungstechnologie im Mittelpunkt. Ausgangspunkt waren die unterschiedlichen Bedürfnisse der Fahrgäste und die Frage, welche Kombination von Zugangskanälen erforderlich war, um allen gerecht zu werden.
Daraus entstand eine Strategie, bei der das Smartphone über Mobile Pay-As-You-Go (MPAYG) zum primären Zugang zum öffentlichen Verkehr wurde. Ergänzend wurde eine speziell entwickelte Karte für Fahrgäste eingeführt, die kein Smartphone nutzen können oder möchten. Beide Kanäle sind Teil desselben landesweiten Pay-As-You-Go-Ökosystems (PAYG).
Innerhalb von zwei Jahren hatte diese sogenannte „Mobile-First-Strategie“ sowohl das Kundenerlebnis als auch die Wirtschaftlichkeit des automatisierten Fahrgeldinkassos (AFC) grundlegend verändert.
Die Erkenntnisse aus Dänemark gehen über den reinen Mobile-First-Ansatz hinaus. RKRP betrachtete App, physische Karte und Kundenportal nicht als voneinander getrennte Technologieprojekte. Stattdessen standen die Bedürfnisse unterschiedlicher Fahrgastgruppen und Anwendungsfälle im Mittelpunkt. Jedem Kanal wurde eine klare Rolle zugewiesen und alle wurden auf einer gemeinsamen Plattform zusammengeführt.
Für Verkehrsunternehmen und -organisationen zeigt das dänische Beispiel, dass „Mobile First“ weit mehr als eine Digitalstrategie ist – es ist ein grundlegend neues Betriebsmodell. Indem RKRP das Smartphone zum primären Zugang zum öffentlichen Verkehr machte und eine ergänzende Kartenlösung gezielt dort einsetzte, wo sie benötigt wird, konnten sie den Bedarf an physischer Infrastruktur reduzieren, den Betrieb vereinfachen, die Kundenbeziehung stärken und ein kosteneffizienteres, zukunftsfähiges Ticketing-Ökosystem schaffen – ohne Abstriche bei der Zugänglichkeit.
Dieser ganzheitliche Ansatz über alle Kanäle hinweg verbessert das Fahrgasterlebnis und vermeidet gleichzeitig Lücken, parallele Systeme und unnötige Infrastruktur, die entstehen können, wenn einzelne Kanäle isoliert voneinander konzipiert werden.
Diese Fallstudie beleuchtet die strategischen Entscheidungen hinter dieser Transformation – von der Definition einer „Mobile-First“-Vision bis zur Einführung des weltweit ersten landesweiten Pay-As-You-Go-Ökosystems auf Basis der FAIRTIQ-Plattform. Sie zeigt, wie eine Mobile-Pay-As-You-Go-App und eine kartenbasierte Tap-Lösung auf einer gemeinsamen Backend-Plattform zusammenspielen, um den öffentlichen Verkehr eines ganzen Landes abzudecken. Zudem zeigt sie auf, welche Erkenntnisse Verkehrsorganisationen daraus für die Gestaltung der nächsten Generation der Fahrgelderhebung gewinnen können.
Fahrgäste stehen im Zentrum, nicht die Zahlungstechnologie
Im Jahr 2023 stand Rejsekort & Rejseplan A/S vor einer Herausforderung, die Verkehrsunternehmen weltweit bekannt ist. Das landesweite kartenbasierte Fahrgeldkontrollsystem Dänemarks näherte sich dem Ende seiner Lebensdauer, und dessen Ersatz hätte eine weitere große Investition in die physische Infrastruktur erfordert. Die naheliegende Lösung wäre gewesen, landesweit eine neue Generation von Entwertungsgeräten einzuführen.
Stattdessen stellte Rejsekort eine grundlegendere Frage: Welche Erfahrung sollte jeder Reisende machen können, und welche Kombination von Kanälen könnte diese am effektivsten und nachhaltigsten bieten?
Drei strategische Überlegungen prägten die Antwort.
Digitale Erlebnisse waren im Bankwesen, im Zahlungsverkehr, in der Versicherungsbranche und im Einzelhandel zur Norm geworden. Unterdessen hatte sich die Kundenzufriedenheit mit der bestehenden Rejsekort-Karte bei etwa 65 % eingependelt. Reisende erwarteten zunehmend, dass der Ticketkauf genauso mühelos ablaufen sollte wie die anderen digitalen Dienste, die sie täglich nutzten.
Der Ersatz der bestehenden Infrastruktur durch ein anderes landesweites Kartensystem würde erhebliche Investitionen erfordern – nicht nur zu Beginn, sondern über die gesamte Lebensdauer des Systems hinweg. Rejsekort suchte nach einer nachhaltigen Lösung, die ohne ständig steigende Infrastrukturkosten ausgebaut werden kann.
Das neue Fahrkartensystem sollte mehr sein als nur ein Ersatz für sein Vorgängermodell. Es musste die technologische Grundlage für zukünftige Mobilitätsdienste bilden – einschließlich einer möglichen Ausweitung auf bedarfsorientierte Verkehrsdienste (DRT) –, gleichzeitig kontinuierliche Innovationen ermöglichen, das Fahrgasterlebnis verbessern und direktere Kundenkontaktpunkte schaffen.
Anstatt das bestehende System durch ein neues, auf Entwertungsgeräten basierendes System zu ersetzen, konzipierte RKRP die Kanäle als Portfolio. Mobile Pay-As-You-Go würde das umfassendste Nutzererlebnis bieten und zum primären Kanal werden. Eine einfachere physische Pay-As-You-Go-Karte würde die Bedürfnisse abdecken, die mit dem mobilen Angebot nicht erfüllt werden könnten. Eine einzige Plattform würde Fahrten, Tarife und Betriebsregeln für beide Kanäle abwickeln.
Diese auf den Fahrgast ausgerichtete „Mobile-First“-Strategie verfolgte zudem drei übergeordnete Ziele: die Steigerung der Zufriedenheit, die Senkung der Infrastrukturkosten über den gesamten Lebenszyklus hinweg und die Schaffung eines Systems, das sich durch Software weiterentwickeln lässt, anstatt die Hardware immer wieder austauschen zu müssen.
Die Priorisierung von Mobile Pay-As-You-Go war das Ergebnis der Kanalstrategie von RKRP, nicht deren Ausgangshypothese. Es bedeutete, den leistungsfähigsten und infrastrukturärmsten Kanal an die erste Stelle zu setzen und gleichzeitig einen ergänzenden Kanal für die Bedürfnisse zu entwickeln, die dieser nicht erfüllen konnte.
Es bedeutete auch, das künftige System konsequent auf den Kanal auszurichten, der die grosse Mehrheit der Fahrgäste am besten bedient – und gleichzeitig sicherzustellen, dass der öffentliche Verkehr für alle zugänglich bleibt.
Beide Kanäle laufen auf demselben FAIRTIQ-Backend, wodurch ein umfassendes und effizientes PAYG-Ökosystem entsteht.
Der erste Schritt in Richtung dieser „Mobile-First“-Vision war die landesweite Einführung der von FAIRTIQ betriebenen Rejsekort-App im September 2024.
Innerhalb von nur 20 Monaten nach der öffentlichen Einführung entwickelte sich die App zum primären Ticketkanal in Dänemark. Bis Juni 2026 wurden bereits etwa 90% aller Rejsekort-Transaktionen in Bahn, Bus, Straßenbahn und U-Bahn über die App abgewickelt – ein Beleg dafür, dass ein gut konzipierter mobiler Kanal, der auf die Bedürfnisse der Reisenden zugeschnitten ist, landesweit zur bevorzugten Art des Reisens werden kann.
Für Reisende beseitigt die App einen Großteil der Unannehmlichkeiten, die traditionell mit dem Ticketkauf verbunden sind. Es ist nicht notwendig, Fahrkarten im Voraus zu kaufen, komplexe Tarifstrukturen zu verstehen oder eine spezielle Fahrkarte mitzuführen. Reisende beginnen ihre Fahrt einfach mit einem Wisch, während das System automatisch den richtigen Fahrpreis berechnet. Das Ergebnis ist eine deutliche Steigerung der Kundenzufriedenheit. Die Nutzerzufriedenheit mit dem neuen mobilen Erlebnis liegt bei über 90%, verglichen mit etwa 65% beim früheren kartenbasierten System.
Für Rejsekort und die teilnehmenden Verkehrsunternehmen stärkt jeder Reisende, der sich für die App entscheidet, die „Mobile-First“-Strategie. Mobile Fahrten erfordern weniger physische Infrastruktur, ermöglichen schnellere Innovationen durch nahtlose Software-Updates und schaffen eine direkte digitale Beziehung zu den Kunden. Neue Produkte, Servicemeldungen und Kundenkommunikation können sofort bereitgestellt werden, ohne dass Hardware ausgetauscht oder neue Karten ausgegeben werden müssen.
Lesen Sie Teil 1 dieser Fallstudie und erfahren Sie, wie Rejsekort & Rejseplan A/S und FAIRTIQ in nur sechs Monaten eine landesweite Mobile Pay-As-You-Go-Lösung eingeführt haben.
Der landesweite Erfolg der Rejsekort-App zeigte, dass sich MPAYG auch auf nationaler Ebene als bevorzugter Zugang zum öffentlichen Verkehr etablieren kann – und bestätigte damit den ersten Teil der dänischen „Mobile-First“-Strategie. „Mobile First“ bedeutete jedoch von Anfang an nicht „Mobile Only“.
Von Anfang an war RKRP bewusst, dass eine kleine, aber wichtige Gruppe von Fahrgästen weiterhin eine physische Lösung benötigen oder bevorzugen würde. Dazu gehören insbesondere Fahrgäste mit besonderen Anforderungen an Barrierefreiheit, Bezahlung oder die Nutzung digitaler Technologien, wie zum Beispiel:
Basiskort wurde bewusst als schlanke Ergänzung zur Rejsekort-App konzipiert . Während die App für die überwiegende Mehrheit der Fahrgäste weiterhin der primäre Kanal bleibt, sorgt Basiskort dafür, dass der öffentliche Nahverkehr für alle zugänglich und inklusiv bleibt.
Gemeinsam bieten sie Zugang zum gleichen landesweiten Pay-As-You-Go-System und verbinden dabei die Effizienz eines „Mobile-First“-Ansatzes mit der Inklusivität, die von einem nationalen öffentlichen Verkehrsnetz erwartet wird.
Mit der Einführung von Basiskort im Februar 2026 wurde Dänemark zum ersten Land weltweit mit einem landesweiten Ticketing-Ökosystem, das FAIRTIQs Mobile-Pay-As-You-Go- und Tap-Technologien auf einer gemeinsamen Backend-Plattform vereint.
Die eigentliche Innovation spielt sich hinter den Kulissen ab. Für Fahrgäste bietet Dänemark zwei sich ergänzende Möglichkeiten, auf dasselbe landesweite Pay-As-You-Go-System zuzugreifen. Für Rejsekort und die teilnehmenden Verkehrsunternehmen gibt es jedoch nur ein einziges Ticket-Ökosystem.
Im Kern folgt das neue dänische System einem Account-Based-Ticketing-Ansatz (ABT) . Auf Basis des Backends von FAIRTIQ verwaltet eine einzige Plattform Kundenkonten, Fahrten und Fahrpreise über beide Kanäle hinweg, einschließlich:
Für Reisende ergibt sich dadurch ein einheitliches Erlebnis, unabhängig davon, welchen Kanal sie nutzen. Ob über die Rejsekort-App oder mit der Basiskort – Kunden greifen über das FAIRTIQ-Webportal auf dasselbe Konto und dieselben digitalen Dienste zu. Dort können sie die Basiskort bestellen und verwalten, ihr Guthaben aufladen, Begleitpersonen und verknüpfte Konten verwalten, ihren Fahrtenverlauf einsehen, Belege und Rechnungen herunterladen sowie ihre Kontoeinstellungen aktualisieren.
Für Rejsekort und die Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs bietet diese kontobasierte Architektur noch größere Vorteile. Anstatt separate Systeme für mobiles und kartenbasiertes Ticketing zu betreiben, entwickeln sich beide Kanäle gemeinsam auf einer einzigen Plattform weiter. In vielen Fällen müssen neue Tarifregeln, Produkte und Funktionen nur einmal entwickelt werden, bevor sie im gesamten Ökosystem verfügbar sind, was die betriebliche Komplexität erheblich reduziert und gleichzeitig Innovationen beschleunigt.
Smartphone-basiertes PAYG (Rejsekort-App)
Hauptkanal für Reisen
Entwickelt für über 90 % der Reisenden
Umfassendes digitales Erlebnis
Keine zusätzlichen Investitionen in Hardware erforderlich
Fördert die digitale Akzeptanz und die betriebliche Effizienz
Kartenbasiertes PAYG (Basiskort)
Ergänzender Vertriebskanal
Konzipiert für ca. 10 % der Reisenden, die eine nicht-mobile Lösung benötigen oder bevorzugen
Einfache Nutzung vor Ort
Geringerer Hardware-Investitionsaufwand im Vergleich zu herkömmlichen kartenbasierten Systemen
Gewährleistet Barrierefreiheit, Inklusion und Wahlfreiheit für Reisende
Beide Kanäle werden vom selben FAIRTIQ-Backend betrieben
Nahtloses Kundenerlebnis über alle Kanäle hinweg
Geringere betriebliche Komplexität
Schnellere Innovationszyklen
Der größte Vorteil der dänischen Strategie besteht nicht einfach darin, dass sie sowohl eine App als auch eine Tap-Lösung anbietet. Vielmehr bleibt die App der Standardkanal, was die infrastrukturellen Anforderungen an die automatisierte Fahrgelderhebung grundlegend verändert.
Da die überwiegende Mehrheit der Fahrten über die Rejsekort-App abgewickelt wird, muss die physische Infrastruktur nicht mehr auf jeden Fahrgast und jede Fahrt zugeschnitten sein. Stattdessen kann sich die Basiskort-Infrastruktur darauf konzentrieren, sicherzustellen, dass Reisende, die die App nicht nutzen können oder wollen, dennoch eine barrierefreie Möglichkeit zum Reisen haben.
Dieser „Mobile-First“-Ansatz schafft Möglichkeiten , die allgemeine Abhängigkeit von der physischen Ticketinfrastruktur zu verringern, einschließlich Entwertungsgeräten sowie der Infrastruktur für den Kauf und das Aufladen physischer Karten. Im Laufe der Zeit kann ein geringerer Hardware-Bedarf auch bedeuten, dass weniger Komponenten installiert, gewartet, ausgetauscht und über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg verwaltet werden müssen.
Das gleiche Prinzip gilt auch hinter den Kulissen. Sowohl die Rejsekort-App als auch Basiskort werden von derselben FAIRTIQ-Technologieplattform unterstützt, wodurch wichtige Ticketfunktionen kanalübergreifend genutzt werden können, anstatt völlig separate Systeme aufzubauen und zu betreiben.
Das Ergebnis ist ein einfacherer und effizienterer Ansatz für die landesweite Fahrgelderhebung: digital, wo möglich, physisch, wo nötig, und als ein integriertes Ökosystem konzipiert.
Dänemarks Entwicklung zeigt, dass Kostensenkung und Inklusion keine gegensätzlichen Ziele sind. Indem RKRP den mobilen Kanal zum Hauptkanal gemacht und gleichzeitig eine ergänzende Kartenlösung für die verbleibenden Reisendengruppen bereitgestellt hat, hat das Unternehmen ein einheitliches Pay-as-you-go-Ökosystem geschaffen, das Reisenden Wahlfreiheit bietet und es dem Betreiber gleichzeitig ermöglicht, Infrastrukturkosten zu senken, den Betrieb zu vereinfachen und auf einer einzigen Technologieplattform kontinuierlich Innovationen voranzutreiben. Das System ist gleichzeitig:
Einem nahtlosen mobilen Erlebnis für die überwiegende Mehrheit der Fahrgäste
Garantierter Zugang zum öffentlichen Nahverkehr für diejenigen, die kein Smartphone nutzen können oder wollen
Ein landesweites Pay-As-You-Go-System mit einheitlichen Tarifen über beide Kanäle hinweg
Ein gemeinsames Kundenkonto und digitale Dienste, unabhängig davon, ob mit der App oder der Basiskort gereist wird
Weiterhin Unterstützung für anonymes Reisen, wo dies erforderlich ist
Eine zukunftsfähige Plattform, die sich durch digitale Innovation kontinuierlich weiterentwickelt
Eine direkte Kundenschnittstelle für die überwiegende Mehrheit der Fahrgäste
Nur wenige anonyme Fahrten
Hohe Präzision bei der Erfassung der Fahrten
Barrierefreiheit und Inklusion ohne Einbußen bei der betrieblichen Effizienz
Möglichkeit, das System kostengünstig und einfach auf DRT und andere Mobilitätsdienste auszuweiten
Schnellere Produktentwicklung und einfacherer Betrieb durch eine einzige Technologieplattform
Geringere Infrastruktur-, Wartungs- und Lebenszykluskosten
Erhebliche prognostizierte Einsparungen
Erfahren Sie, wie eine „Mobile-First“-Ticketplattform auf Basis von Mobile Pay-As-You-Go Ihnen helfen kann, Kosten zu senken, jeden Fahrgast zu unterstützen und die Fahrgelderhebung mit minimalem Hardwareaufwand zu vereinfachen.